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Es war die wahrscheinlich letzte warme Nacht des Sommers, jenen Sommers, in dem Bernd und seine Jahrgangsstufe das Abitur gemacht hatten. Die allgemeine Auflösung der Klasse in Bundeswehrtrottel, Zivildienstweicheier und t5 gemusterte baldige Studenten war bereits weit fortgeschritten und an diesem letzten warmen Abend würde wahrscheinlich die letzte Party im vertrauten Freundeskreis stattfinden. Dieser Hintergrund gab der Feier einen sowohl etwas festlichen als auch melancholischen Charakter. Bernd spürte diese Begebenheit wahrscheinlich noch intensiver als die anderen, weswegen (und wegen seiner mittelstarken Menschenangst) er sich etwas abseits der allgemeinen Gruppe in einen Gartenstuhl gelegt hatte, seine Begleitung bestand aus einem Longdrink Marke "Wodka Lemon". Bernd gab sich gerade bittersüßen Träumen über den "letzten Sommer" hin, als ihn vällig überraschend eine weibliche Stimme dicht hinter seinem Ohr ansprach: "Na, auch etwas nachdenklich?"; Es war Bernadette, Berns heimliche Liebe seit der Grundschule. Sie setzte sich mit einem Bier neben ihn, "ziemlich unheimlich, was?" - "Was?", fragte Bernd, der immer noch etwas verwirrt war. "Na, alles", antwortete Bernadette, "all die Jahre war man zur Schule gegangen, man kannte gar nichts anderes und plötzlich soll die unbeschwerte Kindheit bzw. Jugend vorbei sein und man soll studieren oder einen Job lernen, und man weiß auch genau das man einen Großteil der alten Freunde nie mehr wiedersehen wird..es ist schon etwas gruselig, man macht sich Gedanken...es scheint sich plötzlich alles so schnell zu ändern, kaum dass man sich richtig eingewöhnt hat". Mit dieser Offenheit hatte Bernd nicht gerechnet, auch ihm waren diese Gedanken nicht unbekannt, trotzdem hatte er nie gewagt sie jemals einem anderen anzuvertrauen. Er nahm auf seine Verlegenheit einen großen Schluck aus seinem Longdrink und just da fielen alle Hemmungen von ihm ab. "Steh auf", sagte er zu Bernadette, indem er selbst aufstand. etwas verwirrt folgte sie seiner Anweisung, "Aber war-", begann sie, bis Bernd ihr den Zeigefinger auf die Lippen legte und sie zu sich heranzog: "Es ist die wahrscheinlich letzte warme Nacht des Sommers, eines Sommers der bald zu Ende geht. Genauso geht ein Abschnitt unseres Lebens zu Ende. Man hatte sich gerade soweit daran gewöhnt, dass man hoffte, es würde ewig dauern, aber so ist das Leben nun einman nicht: Kaum glaubt man die Regeln verstanden zu haben, schon werden sie geändert. Ich weiß auch ganz sicher nicht was die Zukunft bringt, vielleicht werden wir uns nie wiedershen, vielleicht werden wir in einem Jahr alle tot sein, vielleicht werden wir später beide arbeitslose Penner und leben aus der Mülltonne; NIEMAND kennt die Zukunft, wir wissen nur was gerade jetzt ist und häufig noch nicht einmal das.

Nimm meine Hand und geh mit mir ein Stück, weil es JETZT gerade noch Sommer ist und wir noch jung sind und weil du so wunderschön heute bist." Und dann zog Bernd sie zu sich heran, sah ihr für einige Sekunden in die Augen und küsste sie. Und sie gingen in die Felder, immer weiter und immer weiter und betrachteten die Sterne und lagen Arm in Arm und liebten sich, weil es die letzte warme Nacht des Sommers war.

Und sie tauschten ihre Handy- und ICQnummern aus, aber sie sahen sich nie, nie wieder.